Lichtzeichen Entry un No Entry

 

Wer sich für die Einwanderung nach Kanada interessiert, kommt nicht mehr daran vorbei: an Express Entry, dem neuen Zauberwort, das eine schnelle und einfache Einwanderung zu versprechen scheint. Das kanadische Einwanderungsministerium hat sogar, man lese und staune, eine Express Entry Werbe-Webseite auf Deutsch geschaltet. Doch was versteckt sich wirklich hinter diesem Zauberwort? Welche Auswirkungen wird das neue Verfahren auf Einwanderungswillige aus den deutschsprachigen Ländern haben?

 

 

 

 

Express Entry – zwei Stufen sind zu nehmen

 

Der Ausdruck Express Entry steht für ein zweistufiges Verfahren: zuerst wird eine Interessensbekundung (expression of interest) durch die Einwanderungskandidaten abgegeben und dann – aber nur auf Einladung (invitation to apply) durch das kanadische Einwanderungsministerium - ein Antrag gestellt. Beides geschieht online.

 

Express Entry regelt den Zugang zu den bekannten Kategorien Federal Skilled Worker (das klassische Punktesystem), Skilled Trades und Canadian Experience Class neu (und Provinical Nominee im Fall von nachträglicher Nominierung durch eine Provinz).

 

Es ist kein neues Punktesystem zur Einwanderung. Das alte Punktesystem bei den Federal Skilled Workers bleibt bestehen. Alle Selection Factors und Pass Marks bleiben unverändert. Express Entry ist ein sogenanntes „Application Management System“, mit dem entschieden und ausgewählt wird, welche Anträge auf Einwanderung überhaupt angenommen und bearbeitet werden.

 

Wie es früher einmal war...

Wer vor 2015 in den oben genannten Einwanderungs-Kategorien einen Antrag auf Einwanderung bzw. Permanent Residence stellte, konnte verhältnismäßig sicher sein, dass der Antrag irgendwann bearbeitet und entschieden werden würde. Und wer die Kriterien erfüllte – also beispielsweise als Skilled Worker die Mindestpunktezahl erreichte – konnte ziemlich sicher sein, irgendwann als Einwanderer ausgewählt zu werden. Nur dauerte dieses Verfahren oft sehr, sehr lange. Die Antragsstapel wurden nach dem „first-come, first-served“-Prinzip abgearbeitet, ein Antrag nach dem anderen. Mehrere Jahre Wartezeit auf eine Entscheidung waren keine Seltenheit.

Express Entry: Wettbewerb um den schnellen Zugang zur Einwanderung

Unter Express Entry gilt jetzt, dass nicht alle, die sich theoretisch für eine Kategorie qualifizieren, auch einen Antrag auf ein Einwanderungsvisum stellen dürfen. Alle Bewerber kommen zunächst in einen Pool und befinden sich untereinander im Wettbewerb um die begehrten Einladungen zur Antragstellung. Dazu werden die einzelnen Bewerber bewertet. Sie bekommen für persönliche Qualitäten und Qualifikationen Rang-Punkte verliehen – für ihr Lebensalter, für die Ausbildung, für Arbeitserfahrung innerhalb und außerhalb Kanadas, für ein Jobangebot usw. Diese Rang-Punkte werden nach dem neu geschaffenen Comprehensive Ranking System verteilt und bestimmen in der Summe den Rang eines Bewerbers im Bewerberpool − je höher die Punktzahl, desto besser. (Diese Punkte bitte nicht verwechseln mit der Punktebewertung in der Skilled Worker Kategorie!)

 

Wenn nun das Einwanderungsministerium beispielsweise 500 Bewerber aus dem Express Entry Pool zur Antragstellung zulassen will, so werden die zu diesem Zeitpunkt 500 ranghöchsten Bewerber ausgewählt und eingeladen. Die haben dann 60 (ab 19.11.2016 sind es 90 Tage, der Verfasser) Tage Zeit, einen vollständigen Antrag zu stellen und die Bearbeitungsgebühren zu zahlen. Ab Antragstellung sollen dann in den allermeisten Fällen nur noch 6 Monate oder weniger bis zur endgültigen Entscheidung über das Einwanderungsvisum vergehen. Kandidaten iim Express Entry Pool, die es innerhalb eines Jahres nicht schaffen, eine Invitation to Apply zu erhalten, werden aus dem Pool entfernt.

Wer hat die besten Chancen beim Express Entry?

Die Karten werden nun durch die Ziehung und Streichung von Kandidaten häufiger neu gemischt. Generell lässt sich aber wohl sagen, dass Bewerber mit sehr guten Englisch- oder Französischkenntnissen und/oder Jobangeboten und/oder Arbeitserfahrung in Kanada ganz vorne dabei sein werden. Aus unserer Erfahrung gehörten in der Vergangenheit die deutschsprachigen Bewerber eher weniger zu dieser Gruppe. Hier müssen Kandidaten deutlich an sich arbeiten, um sich durchzusetzen. Also zum Beispiel sich um ein Jobangebot eines kanadischen Arbeitgebers bemühen.