Kreativer Mann am Schreibtisch

 

Die Einwanderungs-Kategorie „Self-employed Class“ kann man als „Kategorie für Selbstständige“ übersetzen. Doch der Name ist irreführend. Selbstständige Bauunternehmer, Gastronomen oder Handwerker haben hier keine Chance. Historisch stand diese Kategorie einmal praktisch allen offen, die sich in Kanada selbstständig machen wollten. Doch mittlerweile haben zu dieser Kategorie nur noch Künstler, Kreative, Sportler und – ja, sie lesen richtig – Landwirte Zugang. Wenn da nur nicht die Sache mit den Bearbeitungszeiten wäre...

 

 

 

Weltklasse oder erfolgreich selbstständig

 

Neben der Zugehörigkeit zu einer der oben genannten Berufsgruppen (lassen wir dabei zunächst die Landwirte außen vor, also etwa Autoren, Musiklehrer, Sportler, Filmemacher, Illustratoren – aber auch Bühnenbildner, Choreographen oder Trainer) müssen potentielle Einwanderer (Berufs-)Erfahrung nachweisen. Diese Erfahrung muss in cultural activities oder athletics erworben worden sein, also durch kulturelle oder sportliche Aktivitäten. Normalerweise wird diese Erfahrung durch die Berufsausübung gesammelt, also der Journalist schreibt Artikel oder Blogs, der Sportler trainiert und nimmt an Wettkämpfen teil usw. Die Erfahrung muss sich mindesten über zweimal 1 Jahr erstrecken, innerhalb der letzten 5 Jahre. Das Entscheidende dabei: Diese Erfahrung müssen Kandidaten als Selbstständige gemacht haben, die von ihrem Beruf leben konnten, oder sie müssen in ihrem Feld zur Weltklasse gehören. Außerdem müssen sie dann noch eine (relative niedrige) Mindestpunktzahl nach einem Bewertungssystem für ihre Sprachkenntnisse, Ausbildung usw. erreichen.

 

Knackpunkt für Landwirte: Führung eines Betriebes

 

Bei Landwirten besteht die geforderte Erfahrung aus two one-year periods of experience managing a farm, also zweimal 1 Jahr Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebes innerhalb der letzten 5 Jahre. Interessanterweise wird hier nicht gefordert, dass der geleitete Betrieb Eigentum des Kandidaten war. Es wird aber gefordert, dass dann in Kanada ein eigener Betrieb gekauft und bewirtschaftet wird.

 

Vorteile: Gesetz fordert weder Mindestinvestition noch Mindestvermögen

 

Anders als etwa im Immigrant Investor Venture Capital Program gibt es für Kandidaten in der Self-employed Class keine gesetzlichen Vorgaben zum persönlichen Vermögen, es wird auch keine Mindestinvestition in Kanada verlangt. Bei Landwirten allerdings – schließlich müssen die ja eine Farm oder Land in Kanada käuflich erwerben können – werden Visabeamte prüfen, ob die Antragsteller ausreichende Mittel für einen solchen Kauf besitzen. Bei allen anderen wird individuell geprüft, ob die finanziellen Mittel zur Aufnahme der geplanten selbstständigen Tätigkeit in Kanada ausreichend sind. Die notwendigen Investitionen können je nach Beruf ja auch recht unterschiedlich ausfallen.

 

Der Haken: die Bearbeitungszeiten

 

Nun zum Unerfreulichen: Die Zeit, die von Antragstellung bis zur Entscheidung über das Einwanderungsvisum in der Self-employed Class vergeht, ist lang. Bis vor kurzem wurden auf der offiziellen Website des Einwanderungsministerium die Bearbeitungszeiten noch nach Visa Office differenziert. Dort konnte man sehen, dass die Bearbeitungszeiten von 97 Monaten (Ankara) über 40 Monate (Wien) bis hinunter zu 12 Monaten (Ottawa) reichten.

 

Seit kurzem gibt es auf der Website von IRCC/ CIC nun allerdings ein check application processing time online tool (http://www.cic.gc.ca/english/information/times/index.asp#). Dessen Ergebnisse sind wesentlich unspezifischer als die der früheren processing time Website, es werden nun teilweise globale Durchschnittszeiten angegeben, bei den Self-employed Persons wird nicht mehr nach Nationalität oder Herkunftsland der Antragsteller differenziert. Deren Bearbeitungszeit wird jetzt unspezifisch mit atemberaubenden 109 Monate angegeben (08. März 2016).

 

Was heißt das nun? Das Ministerium sagt Folgendes: „The processing times only show the time it took to approve or refuse 80 percent of applications during some time in the past. Processing times in the future may be different.“. Was auch bedeuten kann, dass bei relativ kleinen Antragszahlen das Beenden (Annehmen oder Ablehnen) von Altanträgen die Bearbeitungszeiten in den Himmel schießen lässt – obwohl es ja eigentlich voran geht!

 

Also schaut man sich Statistiken aus anderer Quelle (http://open.canada.ca/en) an, die das Inventar, neue Anträge und Entscheidungen in der Self-employed Persons Kategorie erfassen. Dann sieht es in der Tat so aus, als seien 2014 die Bearbeitungszahlen weltweit deutlich nach oben gegangen, seit Jahren waren sie wieder einmal höher als die Zahl der Neuanträge. Eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Ablehnungen könnte in der Tat darauf hindeuten, dass hier eine große Zahl von Altfällen erledigt wurde. Damit würde natürlich die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Falles durch das hohe „Alters“ der abgelehnten Altfälle in der Statistik nach oben gehen.

 

Aber wie das Ministerium schon sagte, dies muss alles nichts über die zukünftigen Bearbeitungszeiten aussagen. Die werden unter anderem von der Zahl der Neuanträge und den zukünftigen Planvorgaben für die Einwanderungskategorien abhängen. Man sieht an der Statistik aber zumindest, dass sich bei den Self-employed Persons Anträgen etwas bewegt und Fälle aktiv bearbeitet werden – was die tatsächlichen Bearbeitungszeiten in Wien und in den In-Canada Büros angeht, ist man aber leider auf Mutmaßungen angewiesen.