Schubkarre und Schaufel

Dürfen Freiwillige eigentlich einfach so in Kanada arbeiten? Darf man als Besucher ein unbezahltes Praktikum machen? Für welche Tätigkeiten braucht man kein kanadisches Work Permit? Immer wieder kommen diese Fragen auf und es herrscht eine weit verbreitete Unsicherheit über die richtigen Antworten. Im Folgenden soll versucht werden, etwas Klarheit in diese unübersichtliche Materie zu bringen.

 

Grundsätzlich ist es so, dass Ausländer für eine Aktivität, die als „Arbeit“ definiert ist, eine Arbeitserlaubnis brauchen. Die gültige Definition von „Arbeit“ in diesem Zusammenhang ist in den Immigration and Refugee Protection Regulations, Abschnitt 2, zu finden: "work means an activity for which wages are paid or commission is earned, or that is in direct competition with the activities of Canadian citizens or permanent residents in the Canadian labour market".

 

Der erste Teil dieser Definition lässt sich – vereinfacht – zusammenfassen als „bezahlte Tätigkeiten sind Arbeit“. So weit, so klar. Der zweite Teil ist komplizierter. Nach ihm ist Arbeit jede – bezahlte oder unbezahlte – Tätigkeit, die in Konkurrenz zu Tätigkeiten von Kanadiern und Eingewanderten auf den Arbeitsmarkt steht. Hier müssen also die Auswirkungen von Tätigkeiten untersucht werden. So wird z.B. ein unbezahltes Praktikum meist als "work" angesehen, da man in Konkurrenz zu kanadischen Praktikanten tritt.

 

Zum Glück geben die kanadischen Behörden Anhaltspunkte und Beispiele für Tätigkeiten, die sie nicht als Arbeit ansehen und die daher für Kanada-Besucher ohne Work Permit ausgeübt werden dürfen:

 

  • volunteer work for which a person would not normally be remunerated – also etwa freiwillige Mitarbeit im Kirchenvorstand oder im Vorstand eines gemeinnützigen Vereins, Mitarbeit bei ehrenamtlicher Telefonseelsorge oder telefonischen „Helplines“ für Vergewaltigungsopfer etc., als freiwillige(r) „Big Brother“ oder „Big Sister“ für ein Kind zur Verfügung stehen. Alle diese Tätigkeiten sollten normalerweise Teilzeit-Beschäftigungen und nicht der Hautzweck der Reise nach Kanada sein.

  • unremunerated help by a friend or family member during a visit – unbezahlte Mithilfe bei einem Freund oder Familienmitglied, etwa eine Mutter, die ihre Tochter bei der Kinderbetreuung unterstützt oder der Onkel, der seinem Neffen beim Bau eines eigenen Ferienhauses hilft.

  • long distance (by telephone or internet) work done by a temporary resident – Telearbeit über Telefon oder Internet für einen Arbeitgeber außerhalb Kanadas. Die Bezahlung muss auch außerhalb Kanadas erfolgen. Interessant für Menschen, die bei einem längeren Aufenthalt in Kanada z.B. weiterhin für ihren deutschen Arbeitgeber übers Internet arbeiten sollen/möchten.

  • if a tourist wishes to stay on a family farm and work part time just for room and board for a short period (i.e., one to four weeks) – kurze Zeit für Unterkunft und Verpflegung auf einer familiengeführten Farm arbeiten. Allerdings wird hier betont, dass es eine family farm sein muss (die also nicht primär vom Verkauf ihrer Erzeugnis lebt), dass die Farmarbeit nicht der Hauptzweck der Einreise nach Kanada ist und das die Arbeit zeitlich eng begrenzt ist.

 

Neben diesen Tätigkeiten und Situation, die nicht als Arbeit angesehen werden, gibt es noch Tätigkeiten, die als Arbeit angesehen werden, für die aber keine Arbeitserlaubnis notwendig ist. Diese werden bald Thema eines weiteren Beitrags auf diesen Seiten sein.